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15.07.98

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POPHAM MICROLIGHT TRADE FAIR 1998

Von Jim Woodham

Popham findet am ersten Mai-Wochenende statt und ist das erste wichtige Ereignis im englischen Ultraleicht-Kalender. Interessierte kommen aus allen Landesregionen angeflogen um alte Freunde zu treffen, mit Neugierde die vorgestellten Neuheiten zu betrachten und vielleicht einen Testflug mit einer der neuesten Maschinen zu absolvieren.

Zumindest in den vorangegangenen fünf Jahren fand die Messe stets bei eitel Sonnenschein statt, was jedoch in diesem Jahre nicht so war. Während des gesamten Wochenendes herrschte ein kalter Nordwind vor, mit bis zu 20 Knoten am Boden und 30 Knoten in 2.000 Fuss. So wagten es nur wenige Unerschrockene, diesem Wetter zu trotzen und fliegend anzureisen, wobei sie dann bei der Landung oft für ein schönes Spektakel sorgten. Einige der langsameren Maschinen demonstrierten unbeabsichtigt ihre Fähigkeit zum stationären Flug! Die grosse Masse der Besucher zog den Landweg vor, um nach Popham zu kommen, und so wurde die Ausstellung trotz des schlechten Wetters ein Erfolg, mit vielen sehenswerten Neuheiten.

Im Mittelpunkt stand der neue japanische HKS Motor. Es handelt sich um einen luftfahrttechnisch zugelassenen 2-Zylinder 4-Takt Motor mit 60 PS bei 600 Kubikzentimetern. Dieser Motor stellt eine echte Herausforderung an die Vorherrschaft von Rotax dar und ist ein idealer Ersatz für deren 582-Zweitakter. Die Mehrheit der englischen Konstrukteure stellten wenigstens eines ihrer 98er Modelle mit dem HKS Motor vor, was für die meisten von uns die Gelegenheit war, ihn erstmals in Aktion zu erleben.

Pegasus demonstrierte im Fluge sowohl die AX2000 als auch die gewichtskraftgesteuerte Quantum, beide mit HKS Motoren, sowie vor allem die Quantum 582 nebst ihrem Topmodel, die Quantum 912. Auf die gleiche Art stellte Mainair ihre gewichtskraftgesteuerte Blade mit HKS Motor vor, sowie die Versionen Blade 582 und 912. Erstaunlich jedoch, dass sie den Dreiachser Kolb Twinstar nicht da hatten, obwohl der mit 4-Takt Motor doch sicher interessant gewesen wäre.

Thruster hatte ebenfalls einen HKS auf der Ausstellungsmaschine und zeigte, zum ersten Mal in England, den französischen Dreiachser Xair im Fluge. Das scheint eine sehr gute Maschine zu sein. Sie erweckt den Eindruck von Solidität und guter Verarbeitung, hat ein enormes Cockpit und ein Fahrwerk, welches man sich auch gut an einem Traktor vorstellen könnte! In England konkurriert sie direkt mit der AX3 von Pegasus, und beide Maschinen ähneln sich in nicht wenigen Details. Der Preis der Xair (etwa £ 6.000 plus Motor) erscheint als äusserst attraktiv, was damit zusammenhängen mag, dass sie im Bausatz angeboten wird, jedoch ist der Zusammenbau sehr schnell und wirklich einfach. Die Ausstellungsmaschine war mit einem Rotax 582 bestückt, aber im Hinblick auf die zahlreich vorgestellten Maschinen mit HKS Motoren wäre es vielleicht besser, auch die Xair mit einem 4-Takter auszurüsten um hier konkurrenzfähig zu sein.

Das Model, welches in Popham am stärksten beeindruckte, war zweifellos die Jabiru, vorgestellt sowohl in der Ultraleichtversion als auch in jener der "Gruppe A". Es handelt sich hierbei um einen sehr leichten Dreiachser in Verbundbauweise, bestückt mit einem Jabiru 4-Takter mit 80 PS bei 2200 Kubikzentimetern. Die Ultraleichtversion kann in England nicht zugelassen werden, solange bei uns ein maximales Startgewicht von nur 390 kg erlaubt ist. Eine Änderung der entsprechenden Vorschriften auf 450 kg ist vorgesehen für "irgendwann später in diesem Jahr" (solche Ankündigungen kennt man ja schon).

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Für beide Versionen ist eine Reisegeschwindigkeit von 105 Knoten (192 km/h) bei einer maximalen Flugdauer von 4½ Stunden angegeben. Die maximale Reichweite beträgt 500 nm (890 km), und damit kann man den Vogel schon als regelrechtes Flugzeug bezeichnen. Die Ultraleichtversion, die ja schwerer ist, hat eine grössere Spannweite als die der Version "Gruppe A", um die gleiche Abrissgeschwindigkeit zu gewährleisten. Auch der Rumpf ist länger, um den Wirkungsgrad der Steuerung zu erhöhen. Die Maschine wird als Bausatz geliefert. Die Zeit für den Zusammenbau ist mit 600 Stunden angegeben, obschon die meisten Teile, einschliesslich der Tragflächen, eigentlich schon mit gel-coat fertig geliefert werden.

Die Hauptarbeit besteht darin, das Cockpit zu montieren, die Steuerung zu installieren und an die beweglichen Flächen anzuschliessen, die beiden Rumpfhälften zusammenzufügen und den Motor sowie das Zubehör einzubauen. Die ganze Technik ist nicht umsonst: Je nach den Extras wird der Bausatz ein Loch von bis zu £ 21500 in Ihren Geldbeutel reissen. Erst als alle Besucher sich schon auf die Abreise vorbereiteten, starteten die beiden vorgestellten Modelle zum Schauflug, aber das Warten darauf hatte sich gelohnt. Die Jabiru Motoren waren äusserst leise. Die Maschinen starteten in Formation, vielleicht um zu ihrer Basis heimzukehren, aber einige Minuten später zogen sie, noch immer in Formation, mit hoher Geschwindigkeit und im Tiefstflug über das Ausstellungsgelände. Fantastisch!

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Während der Messe wurden viele motorisierte Gleitschirme angeboten, aber das schlechte Wetter nagelte sie am Boden fest. Immerhin aber demonstrierte jemand, wie man einen Hilfsmotor auch auf einem Fahrrad verwenden kann.

Was fehlte? Die sehr erwartete Medway Raven Eclipse, ein gewichtskraftgesteuertes Ultraleicht, ausgerüstet ebenfalls mit einem Jabiru Motor, war nicht da. Später kam die Information, dass der Versuch, die Messe mit dieser Maschine fliegend zu erreichen, wegen des schlechten Wetters aufgegeben werden musste. Auch Air Création, sonst regelmässiger Aussteller, war nicht da, ebensowenig wie Murphy; dieser vielleicht wegen der Verlegung seiner Europa-Zentrale in Frankreich.

Es wäre schön gewesen, mehr europäische Konstrukteure zu sehen, aber die Unsicherheit hinsichtlich der Entwicklung der betreffenden englischen Gesetzgebung hat sie wohl ferngehalten. Aber England ist nicht das einzige Land, das aussergewöhnliche gesetzliche Vorschriften für die Freizeitfliegerei hat. Je eher es hier zu einer europäischen Regelung käme, desto besser wäre dies für uns alle.

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